Oder: was wir von 329 Teilnehmenden gelernt haben
Noch vor einem Jahr galt Nachhaltigkeit als Wachstumsmarkt. Neue Stellen entstanden im Wochentakt, Unternehmen suchten händeringend nach Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Nachhaltigkeitsmanagern und viele qualifizierten sich in Weiterbildungen oder Studiengängen, um in dieses Feld einzusteigen. Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild. Der Arbeitsmarkt für Nachhaltigkeitsverantwortliche hat sich in einem historisch kurzen Zeitraum gedreht und stellt viele Menschen vor echte Herausforderungen.
In unserem Webinar „Job gesucht? Einblicke in den Arbeitsmarkt für Nachhaltigkeitsverantwortliche“ haben Alexander Kraemer und Jobcoach Tabea Leukhardt gemeinsam mit über 320 Teilnehmenden darüber gesprochen, was gerade passiert und was auf dem Markt zu erwarten ist. Und dann wurde es praktisch: in 10 Dos and Don’ts haben wir besprochen, wie man sich in diesem Marktumfeld bestmöglich positioniert. Der Chatverlauf war nicht nur emotional – er hat viele zusätzliche Erkenntnisse geliefert, die ein noch klareres Bild ergeben.
Warum der Markt plötzlich kippt
Der Februar war für viele ein Wendepunkt. Während der regulatorische Druck rund um CSRD, Lieferkettenrichtlinien und ESG zuvor stark war, hat der politische Rollback rund um den sogenannten Omnibus große Unsicherheit ausgelöst: Unternehmen bereiten sich zwar weiter auf regulatorische Anforderungen vor, doch sie agieren vorsichtiger. Stellen werden gestoppt, Projekte verschoben, Budgets eingefroren.
Der Arbeitsmarkt hat sich vom Arbeitnehmermarkt zum Arbeitgebermarkt gedreht. Das zeigt sich auch im Webinar-Chat: Viele berichteten von zehn, zwanzig oder sogar fünfzig Absagen. Andere erhielten erst gar keine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Stellen verschwinden innerhalb von Stunden aus den Jobbörsen, manche nach wenigen Bewerbungen – andere nach hunderten. In den Stellenausschreibungen wird nun die eierlegende Wollmilchsau gesucht.
Parallel bricht der Beratungs- und Prüfungsmarkt ein. Profile rund um Umsetzung, Daten, Risiko oder Klima sind weiter gefragt, aber deutlich selektiver.
Die Stimmung im Feld – und was wir im Event gespürt haben
Unsere sustainability people pulse-Daten zeigen seit Monaten eine abwartende Stimmung. Die Erwartungen der Befragten Nachhaltigkeitsmanager:innen und -Berater:innen liegen unterhalb der aktuellen Lage. Im Chatverlauf wurde deutlich, wie sehr dieses Marktumfeld viele belastet. Mehrere Teilnehmende schrieben:
- „Das hat gut getan.“
- „Ich fühle mich das erste Mal seit Wochen nicht allein.“
- „Danke für diese Klarheit.“
Die größte Erkenntnis aus dem Chat: Menschen suchen in dieser Phase nicht nur Daten, sondern Halt und Orientierung. Das Gefühl, „nicht allein zu sein“, war eines der meistgenannten Motive. Viele bitten um Austausch, Vernetzung, sogar um Gruppenlisten, um gemeinsam weiterzukommen.
Was Unternehmen im Moment nicht suchen
Aus unseren laufenden Jobcoachings, Gesprächen und dem, was Teilnehmende im Chat berichteten, ergibt sich ein sehr konsistentes Bild. Unternehmen suchen deutlich weniger:
- reine CSRD-Generalisten
- Checklisten-Profile
- Menschen ohne sichtbare Spezialisierung
- Bewerbungen ohne klare Kante oder tiefere Expertise
Ein Teilnehmender berichtete von mehreren finalen Gesprächen, die alle daran scheiterten, dass andere Bewerbende eine spezifischere technische Spezialisierung hatten, auch wenn diese theoretisch in wenigen Wochen lernbar wäre. Das zeigt: Unternehmen wollen Risikominimierung und sofort einsatzfähige Kompetenz.
Was Bewerbende jetzt besser machen müssen
Die Wahrheit ist: Bewerbungen im Nachhaltigkeitsbereich müssen 2025 präziser werden als je zuvor. Das spiegelt sich auch im Chat: Viele fragten, wie sie ihr Geburtsjahr handhaben sollen, wie sie Cases vorbereiten oder wie sie ihre Persönlichkeit besser sichtbar machen. Der Bedarf an Klarheit ist enorm.
Unsere Empfehlungen in fünf zentralen Punkte:
- 1. Bewerbungen nicht in Serie rausschicken – Eine generische Bewerbung hat keine Chance. Mindestens 70 Prozent der Anforderungen einer Ausschreibung müssen im Lebenslauf klar erkennbar sein.
- 2. Unterlagen aktualisieren – In unseren Jobcoachings machen wir die Erfahrung, dass Unterlagen seit Jahren gleich aussehen. Genau das ist problematisch. Unternehmen scannen in Sekunden und suchen klare Treffer.
- 3. Klarheit statt Länge – HR-Abteilungen folgen Checklisten. Wer zu viel schreibt, verliert. Besser: Kurzprofil am Anfang; Prozesskompetenz in einem Case anfügen
- 4. Mut zur Lücke – Niemand erfüllt 100 Prozent eines Profils. 80 Prozent reichen.
- 5. Vorbereitung ist Pflicht – Mehrere Teilnehmende wünschten sich Vertiefungen zu Cases und 10-Minuten-Pitches – weil diese inzwischen Standard in vielen Bewerbungsprozessen sind. Wer sich nicht vorbereitet, hat ein Problem.
BUCHTIPP – Einblick in die Recruitingprozesse von Unternehmen: Absage? Aber ich passe doch perfekt von Henrik Zaborowski
Bewerbung als Prototyp eines Projekts verstehen
Ein zentrales Learning aus den Coachings und dem Event: Eine Bewerbung muss nicht nur zeigen, was jemand gelernt hat; sondern viel mehr, wie jemand arbeitet und als Person auf den Job passt. Das bedeutet:
- Case entwickeln
- Vorgehen erklären
- Maßnahmen skizzieren
- Aufwand einschätzen
Profil schärfen: Werde Spezialistin oder Spezialist
Die Zukunft gehört nicht dem Generalistenprofil, das breit alles abdeckt. Die Zukunft gehört dem spezialisierten Profil, das ein konkretes Problem lösen kann. Beliebte Kombinationen, auch im Chat mehrfach erwähnt:
- ESG-Daten und Analyse
- Klima und Emissionen
- Risiko und Compliance
- Circular Economy
- Branchenexpertise (FMCG, Real Estate, Industrie)
- Change und Organisationsentwicklung
Viele wünschen sich Guidance, wie man die eigene Spezialisierung herausarbeitet. Genau hier setzen unsere growth-Angebote an.
BUCHTIPP – Anregungen für den Ein- und Umstieg in die Nachhaltigkeit: Nachhaltige Karriere – mit dem richtigen Job die Welt verändern von Saskia Juretzek und Sandra Broschat
Was tun, wenn der eigene Job wackelt
Mehrere Teilnehmende berichteten, dass sie unsicher sind, ob sie bleiben sollen oder sich neu orientieren. Viele beschrieben schwindendes Budget, interne Kämpfe, ausbleibende Entscheidungen. Die emotionale Lage ist angespannt.
Unsere klare Empfehlung: Wenn möglich bleiben. Das Omnibus schafft ein Vakuum, aber Vakuum bedeutet auch Raum für Gestaltung. Genau dazu entwickeln wir neue Formate, weil der Bedarf im Chat deutlich sichtbar wurde. Mehr dazu lest ihr hier.
Was der Chat gezeigt hat: Community ist ein entscheidender Faktor
Der Chatverlauf lieferte drei zentrale Erkenntnisse, die weit über fachliche Inhalte hinausgehen:
- Der Zusammenhalt trägt – Viele schrieben, dass sie sich zum ersten Mal seit Monaten verstanden fühlen. Das Event wurde als emotionaler Anker erlebt.
- Die Nachfrage nach Vernetzung ist riesig – Unzählige LinkedIn-Links, Bitten um Listen, regionale Cluster (Köln, Wien) – die Community möchte sich verbinden.
- Die Zielgruppe braucht Formate für unterschiedliche Lebenslagen – Direkt geäußerte Wünsche: ein eigenes Format für Berufseinsteigerinnen, ein vertiefendes Angebot zu Cases und Präsentationen, Orientierung für Menschen, die „in der Talsohle“ feststecken, technische Unterstützung bei Profilen und Bewerbungen, Guidance zu Fragen wie „Gehört mein Geburtsjahr in den CV?“
Diese Hinweise fließen direkt in die Weiterentwicklung unseres Angebots, denn genau hier setzen unsere growth-Angebote an.
Wir helfen euch, konkret
In einer Phase, in der sich der Arbeitsmarkt so stark verändert und viele Menschen Orientierung suchen, lassen wir euch nicht allein. Unser Anspruch ist es, euch nicht nur Informationen zu geben, sondern euch ganz konkret beim nächsten Schritt zu unterstützen. Dafür haben wir verschiedene Formate aufgebaut, die dort ansetzen, wo ihr gerade steht – fachlich, persönlich und strategisch.
Wichtig an dieser Stelle zu sagen, dies geschieht in unserem gemeinnützigen Bereich der Company, „growth“. Alle Formate decken die eigenen Kosten, etwaige Gewinne werden konsequent reinvestiert in „growth“.
Gruppencoaching
Unsere Gruppencoachings sind für viele der kraftvollste Einstieg, weil sie zwei Dinge verbinden, die im Markt gerade besonders wichtig sind: fachlichen Fortschritt und gemeinsames Lernen. Tabea führt die Gruppen strukturiert durch alle Elemente eines erfolgreichen Bewerbungsprozesses – von der Analyse des eigenen Profils über die Optimierung der Unterlagen bis hin zu echten Übungsformaten für Cases, Präsentationen und Interviews.
Die Wirkung entsteht aus der Kombination aus professionellem Coaching und dem Austausch mit Menschen, die dieselbe Situation durchlaufen. Viele Teilnehmende berichten, dass ihnen genau diese Mischung das Gefühl von Klarheit, Struktur und Rückenwind gibt.
Lerne Tabea kennen in „Ask me anything“-Terminen:
- Ask me anything am 17. Nov von 13.00 bis 13.30 Uhr
- Ask me anything am 19. Nov von 12.00 bis 12.30 Uhr
Einzelcoaching
Für alle, die tiefer einsteigen möchten oder sehr individuelle Themen haben, bieten wir persönliche Einzelcoachings an.
Mit unseren erfahrenen Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Jobcoaches, Tabea Leukhardt und Saskia Juretzek, arbeitet ihr direkt an euren Unterlagen, eurer Positionierung und euren Fragen rund um den Bewerbungsprozess. Dazu gehören:
- Analyse und Neuausrichtung des Profils
- Optimierung von Lebenslauf und Anschreiben
- Vorbereitung auf anspruchsvolle Interviews
- Entwicklung eines Cases für die Bewerbung
- Sparring zu Gehaltsfragen und Entscheidungsprozessen
Einzelcoachings sind besonders sinnvoll, wenn es schnell gehen muss, wenn Unsicherheiten im Raum stehen oder wenn ihr einen sehr spezifischen Karriereweg verfolgt.
Mentoring durch festangestellte Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager
Viele von euch wünschen sich Einblicke aus dem echten Arbeitsalltag, Orientierung aus der Praxis und ehrliches Sparring von Menschen, die seit Jahren im Nachhaltigkeitsmanagement arbeiten. Genau dafür haben wir unser Mentoring aufgebaut.
Ihr werdet mit festangestellten Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -managern gematcht, die ihre Erfahrungen teilen, euch bei fachlichen Fragestellungen unterstützen und euch dabei helfen, euren Platz im Markt klarer zu erkennen. Das Mentoring verbindet praxisnahe Einblicke mit persönlicher Reflexion und ist besonders wertvoll für Menschen, die vor einem Wechsel oder einem Quereinstieg stehen.