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Victoria Seidl

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Ausgezeichnete im Spotlight: Victoria Seidl
Nachhaltigkeitsmanagerin und Leitung der Stabstelle Kreislaufwirtschaft
Stieglbrauerei Salzburg GmbH

„Victoria, dein Herz schlägt für die Kreislaufwirtschaft! Mit deinem Wissen und deiner Empathie sorgst du für ökologische und ökonomische Verbesserungen – und motivierst andere zum Mitmachen. Mega!“

Im Oktober 2022 kam Victoria Seidl in das Unternehmen zurück, bei dem sie vor vielen Jahren zum ersten Mal in die Arbeitswelt hineingeschnuppert hatte: Die Stiegl Brauerei in Salzburg. Damals war sie Praktikantin im Labor für Qualitätskontrolle – heute kümmert sie sich auf einer Stabstelle um das Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens und treibt dessen Aktivitäten in Sachen Kreislaufwirtschaft voran. Und auch, wenn sich die beiden Tätigkeiten fachlich nicht überschneiden, so stehen sie für Victorias Wesen: loyal und mit einer hohen Identifikation für ihren Arbeitgeber ausgestattet. Sie habe schon während des Praktikums ein gutes Gefühl gehabt und insgeheim gehofft, nach der Ausbildung hierher zurückzukehren. „Ich konnte erkennen, dass sich das Unternehmen mit großer Überzeugung für Nachhaltigkeit engagiert und eine beeindruckende Philosophie verfolgt. Diese Erfahrung hat meinen bereits bestehenden Plan bestärkt, mich beruflich in Richtung Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Entwicklung weiterzubilden”, sagt die 31-Jährige heute. 

Kreisläufe in der Landwirtschaft

Zunächst beendete Victoria ihr Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien. Mit einem Bachelor in Agrarwissenschaft und einem Master in „Stoffliche und energetische Nutzung

nachwachsender Rohstoffe“ schaffte sie wichtige Grundlagen für die heutigen Aufgaben. Es folgten drei Jahre als Leiterin des Amtlichen Pflanzenschutzdienstes bei der Landwirtschaftskammer Salzburg und schließlich die Rückkehr zu Stiegl. Parallel zu den ersten Monaten dort absolvierte sie eine Fortbildung zur Circular Economy Spezialistin an der FH Salzburg. 

Das Vorurteil, nachdem sie es in der Brauerei mit einer männlich dominierten Branche zu tun habe, bestätigt Victoria nicht. Für sie sei es „absolut nicht notwendig, sich männlichen

Verhaltensmustern anzupassen, um ernst genommen zu werden.” Ihr Rezept: sich selbst treu sein, die eigenen Kompetenzen kennen, die eigenen Perspektiven einbringen. Außerdem hätten Frauen sogar oft mehr Empathie und ganzheitliches Denken in sich als Männer, schmunzelt sie.  

Stolz ist Victoria auf die Kreislaufprojekte, die sie bei Stiegl vorantreiben konnte. So setzt die Brauerei die beim Bierfiltern verwendete Kieselgur als Dünger in der eigenen Landwirtschaft ein, statt sie als Abfall zu entsorgen. Ein Projekt mit zusätzlich sozialem Faktor ist das Upcycling von alten Brauerei-Textilien zu Taschen in einer Werkstätte für behinderte Menschen. 

Jüngere Generation fordert Verantwortung

Dass Stiegl ein privat geführtes Unternehmen ist und die Eigentümerfamilie einen starken Bezug zur Nachhaltigkeit pflegt, sieht Victoria als großen Vorteil. Denn insgesamt beobachtet sie wie viele Kollegen und Kolleginnen einen zunehmenden Druck: „Preissteigerungen und wirtschaftliche Unsicherheiten führen dazu, dass viele Unternehmen ihren Fokus neu ausrichten – leider oft zu Lasten der Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wächst das Reputationsrisiko, wenn Nachhaltigkeitsversprechen nicht glaubwürdig umgesetzt werden. Hinzu kommen immer komplexere gesetzliche Vorgaben und Berichtspflichten, die Ressourcen binden. In diesem Umfeld wird Nachhaltigkeit leider häufig als erster Bereich betrachtet, in dem Einsparungen möglich sind –

obwohl gerade hier langfristige Verantwortung gefragt wäre. Stiegl trägt Nachhaltigkeit in der Unternehmens-DNA, das macht mich sehr stolz.” Immerhin: Die Branche des Nachhaltigkeitsmanagements habe sich in den letzten Jahren stark professionalisiert und sei von einem „Nice to have“ zu einem strategisch wichtigen Element in Unternehmen geworden. Auch sozial gewinne das Thema merkbar an Bedeutung. „Besonders jüngere Generationen und Mitarbeitende fordern mehr Transparenz und Verantwortung“, beobachtet Victoria. Sie selbst spornt es an, eine sinnstiftende Tätigkeit zu haben und als Nachhaltigkeitsmanagerin ein Unternehmen in seiner positiven Transformation zu unterstützen – in einem Team, das das Thema genauso ernst nimmt wie sie.

 

Bild: Victoria Seidl privat; Text: Julia Bröder; LinkedIn: Victoria Seidl | LinkedIn

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