Ausgezeichnete im Spotlight: Meike Frese
Co-Gründerin und Co-geschäftsführende Gesellschafterin
Fährmann Organisationsbegleitung GmbH
Meike Frese spricht von sich selbst eigentlich gar nicht so gerne als Beraterin. Was sie mit ihrer Firma Fährmann anbietet, sei vielmehr eine „Organisationsbegleitung“ – entsprechend haben sie und ihre beiden Geschäftspartnerinnen sich zuletzt auch umbenannt. Ihr Credo: Mit weniger kann man oftmals mehr erreichen. Das gilt für ihre Arbeit bei Kunden vor Ort ebenso wie für ihr eigenes No-Growth-Businessmodell: nicht skalieren, keine Mitarbeitenden einstellen.
Systemisch begleiten – nicht beraten
Meike erklärt: „Ich begleite Organisationen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen oder das künftig tun wollen, zum Beispiel bei der Entwicklung einer passenden Strategie, beim Umgang mit Blockaden und Zielkonflikten oder bei der Frage, wie sich Nachhaltigkeit mit dem Geschäftsmodell und der Struktur der Organisation verbinden lässt.“ Die Arbeit ziele immer darauf, nachhaltige Entwicklung aus der Organisation selbst heraus möglich zu machen – in Form von innerer und äußerer Transformation.
Profitiert hat die Halbfinnin dabei von systemischen Ausbildungen bei Hephaistos. „Das konsequent systemtheoretische Denken und Arbeiten, das ich dort gelernt habe, prägt meine Haltung bis heute“, sagt sie und macht deutlich, dass dazu auch das Bewusstsein für die potenziellen Fallstricke in der Beratungsbeziehung selbst gehören. Frei nach dem Motto: „Ungünstige Symbiosen können überall entstehen, und man kann eben, wie Hephaistos sagte, „rechts oder links vom Pferd fallen“, indem man entweder genau das tut, was der Kunde will oder der Kunde genau das tut, was der Berater will. Beides führt in Sackgassen.“ Im Moment macht sie bei Hephaistos auch noch eine Coaching-Ausbildung und hat auch in der Vergangenheit einige Programme belegt, darunter den MBA Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg. [MF1] Ursprünglich studierte sie vergleichende Literaturwissenschaft mit Germanistik und Finnougristik, arbeitete als Übersetzerin und Lektorin. „Ich bin Quereinsteigerin dank einer verfrühten Midlife-Crisis mit Ende 20“, sagt Meike sympathisch offen und unerschrocken.
Wandel braucht Zeit – und Vertrauen
Heute sind ihre Kunden Organisationen aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, die meist schon ein paar Meter gegangen sind in Sachen Nachhaltigkeit. Sie hat es also nicht mit Anfangshürden zu tun, sondern mit den Herausforderungen, die sich unterwegs ergeben: Stagnation, andauernde Silo-Bildung etc. Die Zusammenarbeit dauert in der Regel mehrere Monate und umfasst verschiedene Formate: Strategieprozesse, Begleitung von Nachhaltigkeits-Teams, Einzelcoachings. Oft gehe es darum, neue Entscheidungslogiken zu etablieren oder blinde Flecken zu erkennen. Dabei arbeitet Meike mit viel Klarheit, Geduld und mit dem Willen, Nachhaltigkeit wirklich im Kern der Organisation zu verankern. „Mich interessiert, wie nachhaltige Entwicklung möglich wird – nicht nur als technisches Umsetzungsfeld, sondern als eine Form der Transformation, die – paradoxerweise – umso wirksamer wird, je gründlicher man die Probleme und die Stagnation verstanden hat.“ [MF2]
Kritischer Blick auf die eigene Branche
Auch zur Nachhaltigkeitsbranche insgesamt hat sie eine klare Haltung – und stellt kritische Fragen: „Was mir Sorge macht: Dass wir Nachhaltigkeit entweder immer weiter zur reinen Erfüllung von Berichtspflichten degradieren oder zum nicht mehr kritisierbaren Imperativ erheben. Mit solch absoluten und verhärteten Fronten vergessen wir leicht, dass es sich um ein gesellschaftspolitisches Projekt handelt, das zutiefst mit Fragen von Machtverhältnissen, Privilegien und Ausbeutungsstrukturen zu tun hat und einen entsprechenden Diskurs braucht.“
Sie beobachtet, dass Beratung in Sachen Nachhaltigkeit „immer öfter unternehmerische Transformationsprozesse in Form von technischen Dienstleistungen abarbeitet – ohne Raum für Zweifel, Widerspruch, Ohnmachtsgefühle und allmähliche Veränderung im Inneren.“ Für sie ist genau dieser Raum aber entscheidend – denn dort können die Narrative entstehen, die nicht beim ersten Gegenwind einknicken.
Bild: Sandra Irmler; Text: Julia Bröder; LinkedIn: Meike Frese | LinkedIn