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Franziska Altenrath

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Ausgezeichnete im Spotlight: Franziska Altenrath
Bereichsleitung Strategie, Veränderung und Nachhaltigkeit
1. FC St. Pauli von 1910 e.V.

„Fußball und Gemeinwohlbilanzierung: Du hast beides zusammengebracht. Franziska, mit deinem Gespür und deinem Mut inspirierst du nicht nur deine eigenen Fans! Wow!“

Stockholm, 20. August 218: Der Tag der ersten Fridays-for-Future-Demo war gleichzeitig das Gründungsdatum von Franziska Altenraths und Alexandra Hergets Nachhaltigkeitsberatung TUTAKA, die zusätzlich Marktplatz mit Produkten wie Hotelslipper, Gastrozubehör war. Zwar nicht in Schweden, sondern in Hamburg. Aber mit demselben Ziel, nämlich etwas zu verändern. Die beiden Freundinnen konzipierten Workshops, um speziell die Hotel- und Gastronomiebranche nachhaltiger zu gestaltet. „Es war eine gute Zeit, um sich mit dem Thema zu beschäftigen”, sagt Franziska heute. Sie selbst kam über ihr Studium in Wirtschaft, Politik und Philosophie zu den Fragen rund um ethisches Wirtschaften. Die Zeit im Master bildete die Grundlage für ihre Überzeugungen und damit auch für ihre heutige Arbeit als Nachhaltigkeitsmanagerin bei dem Fußball-Club 1. FC St. Pauli. Ihre Skills? „Die Fähigkeit, sich in Themen tief einzuarbeiten und gleichzeitig, auf einer abstrakteren Ebene, einzelne Maßnahmen zu Strategien zusammenstricken zu können.” Außerdem: „Ein gutes Gefühl dafür, wo es in Transformationsprozessen hakt und was zu tun ist, um dies zu lösen.” 

Es klingt sympathisch realistisch, wenn Franziska über ihren Beruf spricht. „Natürlich hilft die Überzeugung. Aber ich würde sagen, Logik reicht allemal. Wir wollen doch weiter auf einem lebenswerten Planeten leben und arbeiten, oder?”

Schwere Zeiten – neue Chancen

Realistisch waren Franziska und ihre Co-Gründerin auch, als es 2021 darum ging, mit TUTAKA neue Wege zu gehen. Sie hatten mittlerweile ein Team aufgebaut und große Aufträge zur Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien abgewickelt. Aber Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine mit der begleitenden Energie-Krise trafen das Geschäft zu schwer. Sie sei froh, dass sie sich das damals eingestehen konnten, meint Franzi. Und man glaubt ihr aufs Wort, wenn sie sagt, dass „wenn man mutige Entscheidungen trifft, manchmal eine ganze Reihe von tollen Chancen um die Ecke kommen.” TUTAKA wurde von der IT-Firma Phat Consulting übernommen, wo auch zwei Personen aus dem Team anheuerten. Der Marktplatz wird von Komodea weitergeführt.  

Für Franziska und eine weitere Kollegin ging es zum 1. FC St. Pauli. Hier kümmert sich die 34-Jährige vor allem um die Entwicklung und Steuerung der Gemeinwohlstrategie. Mit ihrem Team gestaltet sie die sozialen Programme des Vereins, koordiniert die Fördertöpfe für gemeinnützige Wirkungspartner und arbeitet an Inklusion und Awareness in Bezug auf Fans. Besonders stolz macht sie die Einführung der Bio-Stadionwurst, „weil hinter der Maßnahme ein tolles Zusammenspiel unterschiedlicher Menschen und Organisationen steckt.” 10.000 Würste gehen pro Spieltag über die Theke. Auch die Entscheidung gegen Sportwetten-Sponsoring ist Teil der Gemeinwohlstrategie und für sie ein großes Plus. Ebenso: die Einführung von Awareness-Teams, die Entwicklung eines Suchtpräventionskonzepts gemeinsam mit der Fanszene sowie die Gestaltung eines informativen und transparenten Nachhaltigkeitsberichts. 

Gemeinwohl im Fußball

Franzi gibt zu: Bei einem Verein wie dem 1. FC St. Pauli wird man als Nachhaltigkeitsmanagerin mit offeneren Armen empfangen, als das womöglich anderswo der Fall wäre. Zwar habe sich im Profifußball allgemein einiges bewegt in den letzten Jahren. Ein Meilenstein war die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien in die Lizensierung der Clubs mit Regelungen etwa zu Anti-Diskriminierungs-Schulungen und Klimazielen sowie dem entsprechenden Ausbau von personellen und finanziellen Kapazitäten. Aber: „Seit wenigen Monaten geht die Tendenz leider wieder leicht zurück, was nicht zuletzt auf das veränderte politische Klima zurückzuführen ist.” Nicht so beim 1. FC St. Pauli. Hier ist die Gemeinwohlstrategie organisch verankert, und Franzi, so sagt sie, kann sich sowohl auf Entscheider im Club als auch Fans verlassen, wenn es darum geht, positive Veränderungen voranzutreiben. Fest steht: Auch wenn sich nach den Jahren des Nachhaltigkeitsaufschwungs und durch den nachlassenden legislativen Druck einiges zurückdrehe und man wieder mehr auf die Freiwilligkeit von Unternehmen und Organisationen angewiesen sein, will Franziska optimistisch bleiben und davon ausgehen, dass sich das Nachhaltigkeitsmanagement weiter professionalisiert. Dass sich innerhalb des Metiers fachspezifische Berufsprofile ausbilden und dass die Anforderungen tiefer in die Operative der Unternehmen eingebunden werden. „Nach wie vor glaube ich an Nachhaltigkeit oder Gemeinwohlorientierung als Innovationstreiber und bin überzeugt davon, dass Unternehmen durch die richtige Herangehensweise Wettbewerbsvorteile gewinnen. Und damit meine ich nicht nur  „Geld drauf werfen” und von teuren Beratungen teure Berichte schreiben lassen.” Oder anders ausgedrückt: Less bullshit on the bright sight.

 

Bild: FC St. Pauli; Text: Julia Bröder; LinkedIn: Franziska Altenrath | LinkedIn

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