Ausgezeichnete im Spotlight: Fabienne Schulte
Senior Sustainability Managerin
Fr L’Osteria SE
Neben dem Hauptberuf als Sustainability Managerin in der Systemgastronomie auch noch als Servicekraft auf Minijobbasis in den Restaurants der eigenen Kette arbeiten – das muss man wollen. Fabienne Schulte will. Denn sie möchte die Branche, in der sie für die strategische ESG-Ausrichtung, für Reporting und operative Maßnahmen verantwortlich ist, ganz genau verstehen und das nicht nur von Schreibtisch aus.
Dabei strotzt die 33-Jährige vor Energie. Als die studierte Geographin 2023 bei L’Osteria einstieg, war sie die erste Nachhaltigkeitsmanagerin dort, baute den Bereich komplett neu auf und verankerte das Thema in der Unternehmensstrategie. Was ihr dabei geholfen habe? Ein gutes Gefühl und Grundlagenwissen für Umweltthemen aus der Uni-Zeit, ihr empathisches und diplomatisches Wesen, ihre extrovertierte und kommunikative Art. Diese sei ein Vorteil, wenn es darum gehe, über Abteilungen hinweg zu agieren und Silos aufzubrechen. Weiterentwickelt habe sie in den vergangenen zwei Jahren besonders ihre strategische und politische Seite, reflektiert Fabienne.
Zu ihren Aufgaben gehören Standards wie das Reporting nach ESRS und die CO2-Bilanzierung nach Scope 1 bis 3 ebenso wie weiterführende große Projekte. So bringt Fabienne eine „Roadmap 2030“ auf den Weg mit klaren Zielen, KPIs und Maßnahmen für eine immerhin nicht gerade einfache Branche: In der Systemgastronomie gibt es viele Baustellen, von Food Waste über faire Arbeitsbedingungen bis hin zu Verpackungen. Dazu kommen hohe Fluktuation, Kostendruck, komplexe Lieferketten und natürlich die Produkte: Lebensmittel sind sensibel, saisonal, verderblich und nicht beliebig standardisierbar. „Nachhaltigkeit lässt sich hier nicht einfach „einbauen“, sondern muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitgedacht werden – vom Acker bis zum Teller“, erklärt Fabienne. Es passt gut zu ihr, dass sie in diesen strukturellen Herausforderungen „keine Überforderung“ sieht, sondern „ein riesiges Potenzial“. In der Gastronomie ließen sich Nachhaltigkeitsmaßnahmen unmittelbar dem Realitäts-Check unterziehen, seien direkt erlebbar. „Wenn hier etwas passiert, merken es sofort Millionen Gäste und Tausende von Mitarbeitenden.“ Sie selbst habe gelernt, den Druck von sich zu weisen und die Themen zu sortieren: Was hat Impact, was ist machbar – auch operativ? Was braucht Zeit – und was muss sofort passieren? „Ich versuche, dem mit Pragmatismus, Mut zur Priorisierung, viel Geduld und guter interner Kommunikation zu begegnen – und feiere kleine Fortschritte sichtbar, um Motivation zu erhalten.“
Dabei hat sie durchaus große Erfolge vorzuweisen. Diesen Winter startet unter ihrer Leitung eine konzernweite Task Force gegen Sexismus, es gibt Trainings zu sexueller Belästigung, ein 24/7-Vertrauenstelefon und eine Mental-Health-App mit psychologischer Online-Beratung steht wurde ausgerollt. Damit möchte sie neue Standards für Verantwortung in der Gastronomiebranche setzen und zeigen, dass Nachhaltigkeitsmanagements neben der Umwelt- eben auch eine wichtige soziale Komponente hat.
Ihr Wissen gibt Fabienne übrigens auch als Freiberuflerin in Form von Wokshops an andere weiter. „Ich merke, dass ich gerne Menschen inspiriere und unterstütze – so kann ich, meine Stärken zusätzlich ausspielen und das, worin ich wirklich gut bin, anbringen. Das hilft mir persönlich sehr und macht mir sehr viel Spaß.“
Bild: Fabienne Schulte privat; Text: Julia Bröder; LinkedIn: Fabienne Schulte | LinkedIn