Ausgezeichneter im Spotlight: Anton Klischewski
Koordinator und Vorstand mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit & Engagement / Referent Sport und Fairer Handel
FC Internationale Berlin 1980 e.V. / Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin
Anton Klischewskis Position ist eine Besonderheit, er selbst spricht gar von Luxus: Er ist Nachhaltigkeitsmanager bei dem Fußballclub FC Internationale Berlin 1980 e.V. – einem Breitensportverein, der fast nur von Ehrenamtlichen getragen wird. Anton ist hauptamtlich angestellt und seit diesem Jahr Mitglied im Vorstand. Er kümmert sich um alle Maßnahmen rund um Abfallvermeidung, Veranstaltungsmanagement, öko-fairen Einkauf, Mobilität, Infrastruktur oder Fördermittelakquise. Er treibt Themen strategisch voran und leitet zudem die Nachhaltigkeits-AG des Clubs, in der sich knapp 20 Personen engagieren.
Cradle-to-Cradle auf dem Fußballplatz
Menschen spiegelten ihm oft, dass man durch sein Herzblut für die Sache angesteckt würde, erzählt der 30-Jährige. Und tatsächlich hat der studierte Sportmanager mit Uni-Abschlüssen aus Potsdam und Bordeaux bereits einige Erfolge auf der Haben-Seite, für die ein großer Enthusiasmus, gepaart mit Empathie und Durchhaltevermögen offenbar unverzichtbar waren: 2021 hat sich der FC Internationale als erster Amateurverein Deutschlands extern über das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) und den TÜV Rheinland auf Nachhaltigkeit zertifizieren lassen – und wurde mit viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit belohnt. Preise wie der Große Stern des Sports in Gold gingen an den Verein, was das Team wiederum nutzte, um seine Anliegen weiterzuspielen. „Bei der Preisverleihung haben wir dem Bundespräsidenten ein Trikot mit der ‚Rückennummer‘ 1,5 Grad überreicht und kamen damit in die Tagesschau“, erinnert sich Anton.
Ein weiteres Highlight ist ein fair und nachhaltig produziertes Trikot, das Anton mit auf den Weg gebracht hat – und das, obwohl ein gut dotierter, klassischer Ausrüstervertrag eigentlich schon zur Unterschrift bereit lag. Aus der Neuausschreibung entstand schließlich das erste Fußball-Trikot der Welt aus Cradle-to-Cradle(-Gold) zertifizierten Materialien. Nicht ohne Komplikationen und nur knapp kostendeckend. Aber auch hier mit viel Applaus und dem Beweis, was möglich ist, wenn man Grenzen austestet.
Die Vision: Mehr vom Kuchen für den Breitensport
Neben der 50-Prozent-Stelle beim Fußball-Club arbeitet Anton, ebenfalls in Teilzeit, beim Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin. Dort tritt er als Referent für Sport auf und hat vor rund zwei Jahren einen Runden Tisch etabliert, der den Akteuren und Akteurinnen der Branche helfen soll, in Sachen Nachhaltigkeit zu kooperieren. Ehrenamtlich engagiert er sich zudem bei ENGSO Youth (European Non-Governmental Sports Organisation Youth). Und auch, wenn Anton mit Blick auf die Gesamtsituation einen gewissen Pessimismus nicht unter den Tisch kehren möchte („Analog zum gesellschaftlichen Trend ist in den letzten zwei Jahren einiges, was sich seit 2020 zum Positiven entwickelt hatte, rückabgewickelt worden. Das Momentum scheint abhandengekommen zu sein.“), so hält er an seiner Vision fest: ein Solidarmodell, in dem der Profisport dem Breitensport „mehr vom Kuchen abgibt.“ Ein gutes Beispiel sei der Klimafonds der UEFA EURO 2024 in Deutschland, bei dem die Veranstalter eingenommene Gelder für ökologische Projekte in Amateurfußballvereinen auszahlten. Zwar sei die Bemessung der Tonne CO2 mit 25 Euro deutlich zu niedrig angesetzt gewesen, findet Anton. Aber immerhin: Der FC Internationale konnte so seinen alten Diesel gegen einen E-Bus tauschen.
Durch seine Arbeit im Haupt- und Ehrenamt hat es Anton geschafft, zunehmend als Experte für Nachhaltigkeit im (Breiten-)Sport wahrgenommen zu werden. Und auch, wenn die sozio-politische Gesamtsituation der Nachhaltigkeitsbranche in den nächsten Jahren einiges an Resilienz abverlangen wird, so gilt für ihn: „In Kiezen oder Modellregionen werden wir weiterhin tolle Beispiele für Transformation erleben, die trotzdem einen Unterschied bei Menschen und Planeten machen können.“
Bild: Louisa Boeszoermeny; Text: Julia Bröder; LinkedIn: Anton Klischewski | LinkedIn